Verstehen von Normen und Kennzeichnungen Ihrer Arbeitskleidung

Verstehen von Normen und Kennzeichnungen Ihrer Arbeitskleidung

Bei der Auswahl von Arbeitskleidung geht es nicht nur um Passform und Tragekomfort. Ebenso wichtig sind Sicherheit, Funktionalität und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. In vielen Branchen ist es entscheidend, dass die Kleidung bestimmten Normen und Kennzeichnungen entspricht, die sicherstellen, dass Sie vor den Risiken Ihres Arbeitsumfelds geschützt sind. Doch was bedeuten die verschiedenen Symbole und Codes eigentlich? Hier finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Normen und Kennzeichnungen für Arbeitskleidung in Deutschland.
Warum Normen wichtig sind
Normen sind gemeinsame Richtlinien, die sicherstellen, dass Arbeitskleidung bestimmte Anforderungen an Sicherheit, Qualität und Haltbarkeit erfüllt. Sie werden von internationalen und europäischen Organisationen wie ISO und CEN entwickelt und ermöglichen den Vergleich von Produkten verschiedener Hersteller.
Für Sie als Träger bedeutet das: Sie können sich darauf verlassen, dass die Kleidung den versprochenen Schutz bietet. Für Arbeitgeber ist es ein Nachweis, dass die Mitarbeiter gemäß den Anforderungen der Arbeitsschutzgesetze – insbesondere der deutschen PSA-Verordnung (Verordnung über persönliche Schutzausrüstungen) – ausgestattet sind.
Die wichtigsten Normen für Arbeitskleidung
Es gibt zahlreiche Normen, doch einige sind besonders relevant und weit verbreitet. Hier sind die wichtigsten im Überblick:
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EN ISO 20471 – Warnschutzkleidung: Diese Norm gilt für Kleidung, die den Träger bei Tag und Nacht gut sichtbar macht. Sie ist in drei Klassen unterteilt, wobei Klasse 3 die höchste Sichtbarkeit bietet. Besonders wichtig für Straßen- und Bauarbeiter, Rettungskräfte und alle, die in der Nähe von Verkehr arbeiten.
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EN 343 – Schutz gegen Regen: Kleidung mit dieser Kennzeichnung schützt vor Regen, Schnee und Feuchtigkeit. Die Norm bewertet sowohl die Wasserdichtigkeit als auch die Atmungsaktivität – entscheidend, um trocken zu bleiben, ohne zu überhitzen.
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EN ISO 11612 – Schutz gegen Hitze und Flammen: Diese Norm gilt für Kleidung, die vor kurzzeitigem Kontakt mit Flammen, Hitze oder geschmolzenem Metall schützt. Sie wird häufig in der Metallverarbeitung, im Schweißen oder in der Energiebranche eingesetzt.
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EN 1149 – Elektrostatische Eigenschaften: Kleidung nach dieser Norm leitet statische Elektrizität ab und verhindert Funkenbildung – wichtig in explosionsgefährdeten Bereichen, etwa in der chemischen Industrie oder bei der Verarbeitung brennbarer Stoffe.
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EN 13034 – Schutz gegen flüssige Chemikalien: Diese Norm beschreibt Kleidung, die begrenzten Schutz gegen flüssige Chemikalien bietet. Sie wird oft als ergänzender Schutz in Laboren oder bei Reinigungsarbeiten verwendet.
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EN ISO 15797 – Industrielle Waschverfahren: Diese Norm stellt sicher, dass Arbeitskleidung häufige industrielle Wasch- und Trocknungsprozesse aushält, ohne Form oder Schutzfunktion zu verlieren – ein wichtiger Aspekt für Berufsbekleidung, die regelmäßig gereinigt wird.
Wichtige Kennzeichnungen
Neben den Normen gibt es verschiedene Kennzeichnungen, die zusätzliche Informationen über Qualität, Umweltverträglichkeit und Produktionsbedingungen liefern.
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CE-Kennzeichnung: Zeigt an, dass das Produkt die Anforderungen der EU an Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz erfüllt. Alle persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) müssen CE-gekennzeichnet sein, bevor sie in der EU – und damit auch in Deutschland – verkauft werden dürfen.
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OEKO-TEX® Standard 100: Ein freiwilliges Prüfzeichen, das garantiert, dass das Textil auf Schadstoffe getestet wurde. Besonders relevant für alle, die Wert auf hautfreundliche und gesundheitlich unbedenkliche Kleidung legen.
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Bluesign® und EU Ecolabel: Diese Umweltzeichen stehen für nachhaltige Produktion, geringen Ressourcenverbrauch und verantwortungsvollen Umgang mit Chemikalien. Sie gewinnen auch im Bereich der Arbeitskleidung zunehmend an Bedeutung.
So wählen Sie die richtige Arbeitskleidung
Die Auswahl der passenden Arbeitskleidung sollte sich immer an den Risiken Ihres Arbeitsplatzes orientieren. Arbeiten Sie im Freien, sind Sichtbarkeit und Wetterschutz entscheidend. Arbeiten Sie mit Hitze, Elektrizität oder Chemikalien, benötigen Sie Kleidung mit den entsprechenden Schutzstandards.
Beachten Sie dabei folgende Tipps:
- Prüfen Sie das Etikett und achten Sie auf die angegebenen Normen.
- Fragen Sie bei Unsicherheiten Ihren Arbeitgeber oder Lieferanten nach der passenden Schutzklasse.
- Achten Sie auf die richtige Passform – zu enge oder zu weite Kleidung kann die Schutzwirkung beeinträchtigen.
- Pflegen Sie Ihre Kleidung gemäß den Pflegehinweisen, um die Schutzfunktionen zu erhalten.
Pflege und Austausch
Selbst hochwertige Arbeitskleidung verliert mit der Zeit an Schutzwirkung. Warnschutzkleidung kann ausbleichen, wasserdichte Materialien können ihre Beschichtung verlieren, und flammhemmende Eigenschaften können durch falsches Waschen beeinträchtigt werden. Daher sollten Sie Ihre Kleidung regelmäßig prüfen und bei sichtbaren Schäden oder Verschleiß austauschen.
In sicherheitskritischen Bereichen empfiehlt es sich, feste Kontroll- und Austauschintervalle festzulegen – oft ist dies Teil des betrieblichen Arbeitsschutzkonzepts.
Sicherheit und Verantwortung
Das Verständnis von Normen und Kennzeichnungen ist mehr als nur technisches Wissen – es ist ein Beitrag zu Ihrer eigenen Sicherheit und zur Sicherheit Ihrer Kollegen. Wenn Sie Arbeitskleidung wählen, die den richtigen Normen entspricht, investieren Sie in Schutz, Qualität und ein sicheres Arbeitsumfeld.
Denn gute Arbeitskleidung ist nicht nur ein Teil Ihrer Ausrüstung – sie ist ein wesentlicher Bestandteil Ihrer täglichen Sicherheit.













